Sind Ihnen schon die kleinen rot-weißen Geräte über der Frontscheibe mancher ASEAG- Busse aufgefallen, dort wo sonst bei festlichen Anlässen Fähnchen angebracht sind?
Was es damit auf sich hat, erläutert Prof. Dr. Christoph Schneider vom Geographischen Institut der RWTH Aachen: „Um auf den zu erwartenden Temperaturanstieg in den kommenden Jahrzehnten reagieren zu können, muss man die Temperaturverteilung innerhalb Aachens besser verstehen. Mithilfe von Messgeräten erfassen wir in regelmäßigen zeitlichen Abständen die Lufttemperatur“. Dazu wurden von den Wissenschaftlern des Lehr- und Forschungsgebietes Physische Geographie und Klimatologie Linienbusse der ASEAG mit Messgeräten ausgestattet.
„Die ASEAG unterstützt dieses Forschungsvorhaben sehr gern – unsere Fahrzeuge eignen sich bestens als rollende Thermometer und auch unser Liniennetz ist für die Messungen hilfreich. Wir konnten die Messgeräte an der Front unserer Busse befestigen, gemessen wird derzeit entlang der Linien 2, 7, 11 und 45“, ergänzt Uwe Beitzel von der Werkstattleitung der ASEAG.
„Diese vier Linien decken große Teile des Stadtgebietes ab und wir können ganz unterschiedliche Bebauungs- und Nutzungsarten in unsere Untersuchungen einbeziehen. So lassen sich später anhand der gewonnenen Daten Rückschlüsse auf den Einfluss verschiedener Faktoren, die die Temperatur beeinflussen, ziehen“, erklärt Timo Sachsen vom Geographischen Institut weiter.
Abgeglichen werden die Messdaten mit der Ref-renzwetterstation der RWTH Aachen auf der Hörn, wo unter der Leitung von Dr. Gunnar Ketzler inzwischen seit 30 Jahren Wetterdaten erfasst und ständig online verfügbar gemacht werden.Bei ausreichender Datenmenge lassen sich Gebiete und Straßenzüge identifizieren, die besonders stark von hohen Temperaturen betroffen sind. „Vor allem hohe Temperaturen in der Nacht stellen für ältere oder vorbelastete Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, da die Flüssigkeitsaufnahme in der Nacht stark eingeschränkt ist. Aber auch Hitze-stress am Tag kann Herz-Kreislaufprobleme hervor-rufen“, so Mareike Buttstädt. „Kennt man auffällig überwärmte Gebiete, so ist man in der Lage Gegen-maßnahmen zu planen. Dafür stehen wir in engem Austausch mit Medizinern, Soziologen, Bauingenieuren und Stadtplanern.“
Dieser Austausch findet innerhalb des Forschungsprojektes City 2020+ der RWTH Aachen statt: Hier geht ein interdisziplinäres Team der Frage nach, wie sich derzeit absehbare klimatische und demographische Veränderungen auf Menschen in städtischer Umgebung auswirken. Am Beispiel der Stadt Aachen wird untersucht, wie Bürger und Unternehmen aber auch städtische und politische Institutionen mit veränderten Bedingungen umgehen können.